Von der Plasmaspende zum Faktorpräparat

Etwa 60% der in Deutschland zugelassen Faktorpräparate basieren auf menschlichem Plasma, das gespendet wurde. Plasma ist der wässrige Anteil des Blutes, in dem zum Beispiel die Gerinnungsfaktoren gelöst sind. Der Spender hat sowohl die Möglichkeit zur einer Vollblut- als auch zu einer reinen Plasmaspende. Wird das Plasma aus einer Vollblutspende gewonnen, wird es im Anschluss von den anderen Blutbestandteilen, wie den Erythrozyten und Thrombozyten abgetrennt.

Im Blutplasma befinden sich neben den Gerinnungsfaktoren auch andere Proteine, jedoch keine Blutzellen.

Spätestens 24h nach der Spende muss das Blutplasma auf -30°C gekühlt werden. Bei dieser Temperatur kann es gelagert werden, ohne dass sich die empfindlichen Gerinnungsfaktoren zersetzen.

Im nächsten Schritt wird der gewünschte Gerinnungsfaktor aus dem Plasma extrahiert. Für die Produktion der Arzneimittel wird natürlich mehr als eine Spende benötigt.

Daher werden verschiedene Spenden zu einem sogenannten „Plasmapool“ zusammengeführt. Dieser enthält mehrere 1.000 Liter Plasma, aus dem in verschiedenen Schritten der jeweilige Gerinnungsfaktor, z.B. Faktor VIII oder Faktor IX, abgetrennt wird.

Um die Haltbarkeit der Präparate zu verlängern, liegen die Gerinnungsfaktoren im fertigen Medikament als gefriergetrocknetes Pulver vor, das Sie vor der Applikation mit sterilem Wasser lösen.

Sicherheitsmaßnahmen gegen Viren

Vor der Entwicklung von Sterilisationsverfahren von Plasmaspenden ist es vorgekommen, dass sich Patienten über Spenderblut oder daraus gewonnene Produkte, mit Infektionskrankheiten angesteckt haben. Besondere Aufmerksamkeit erlangte diese Problematik im Zuge der HIV-Epidemie in den 1980er Jahren, bei der auch Empfänger von Bluttransfusionen und Blutprodukten an AIDS erkrankten.

Damit Arzneimittel wie Faktorpräparate keine gesundheitliche Gefährdung für Patienten darstellen, wird der Plasmapool vor der Herstellung streng auf die Kontamination mit Viren getestet. Vorgeschrieben sind Tests auf:

  • HIV (Humanes Immundefizienz Virus, Auslöser der AIDS-Erkrankung)
  • Hepatitis B
  • Hepatitis C

Zusätzlich werden mehrere Methoden kombiniert, die weitere mögliche im Plasma enthaltene Viren abtöten. So stellen auch Viren, die nicht durch Tests erkannt werden können, kein Risiko für den Patienten dar. Darunter fallen beispielsweise auch Coronaviren.

Außerdem soll bereits durch die Auswahl der Blutspender das Risiko einer Virusübertragung verringert werden. Daher sind in Deutschland Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Infektionskrankheiten von der Blutspende ausgeschlossen.

Wer Krankheitssymptome zeigt, darf für eine bestimmte Zeit nicht spenden. Darauf wird aktuell unter dem Gesichtspunkt der Covid-19-Pandemie besonders geachtet. Das Paul-Ehrlich-Institut hält die Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch eine Bluttransfusion oder ein Blutprodukt für unbegründet. Das zeigen die Erfahrungen mit MERS und SARS, zwei Erkrankungen, die ebenfalls durch Coronaviren ausgelöst werden.

Plasmaspenden während der Pandemie

Die Produktion von plasmabasierten Faktorpräparaten ist abhängig von der Menge an gespendetem Plasma. Da in Deutschland und Europa zu wenige Menschen spenden, sind die Hersteller auf Spenden aus den USA angewiesen.

Doch genau wie in Europa sinkt die Zahl der Spenden aufgrund der Pandemie auch dort. Das liegt zum Beispiel daran, dass aufgrund der Hygieneregelungen nur noch jeder zweite Spenderplatz genutzt werden darf.

Auch in Deutschland sind viele regelmäßige Spender verunsichert. Das Paul-Ehrlich-Institut ruft jedoch dazu auf, weiter zu spenden. Nur wer Symptome aufweist oder Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatte, wird nicht zur Spende zugelassen.

Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen, dass die Versorgung mit plasmabasierten Faktorpräparaten gefährdet ist.

Auch die WFH (World Federation of Hemophilia) empfiehlt, die Medikation auch angesichts der Covid-19 Pandemie nicht zu ändern und betont, dass die Arzneimittelsicherheit trotz Corona gegeben ist.

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