Dem Schmerz vorbeugen

Auch wenn Schmerzen sich vielleicht nicht vollständig vermeiden lassen, treten sie durch vorbeugendes Verhalten weniger häufig und weniger intensiv auf:

Regelmäßige Prophylaxe

Eine gut durchgeführte Prophylaxe mit Faktorpräparaten kann Blutungen verhindern und damit auch die damit verbundenen Schmerzen. Außerdem beugt sie Gelenkentzündungen und weiteren Folgeerkrankungen vor.


Frühzeitige Krankengymnastik

Durch vorbeugende Krankengymnastik können Sie potenziell schmerzhafte Gelenkschäden mitunter verhindern. Zudem gehen Sie aktiv gegen Schmerzen vor, wodurch Sie auch Ihre mentale Haltung beeinflussen.


Unterstützen Sie Ihre Sprunggelenke

Sprunggelenke sind häufig von Schmerzen betroffen. Durch die Wahl der richtigen Schuhe stabilisieren und entlasten Sie Ihre Sprunggelenke. Empfehlenswert sind Wanderschuhe, stabile Sportschuhe oder orthopädische Schuhe.


Positive Einstellung

Schmerz ist auch Kopfsache. Daher wird bei einer positiven Einstellung zum Leben sowie einer Akzeptanz der eigenen Erkrankung, Schmerz als weniger intensiv und weniger belastend wahrgenommen. Gerade bei einer chronischen Erkrankung kann dies zu einer Herausforderung werden. Scheuen Sie daher im Zweifel nicht davor zurück, sich psychologische Unterstützung zu suchen.


Wenn Schmerzen auftreten

Trotz aller Vorbeugung kann es vorkommen, dass Schmerzen auftreten. Hier gilt es zunächst zu unterscheiden, ob der Schmerz von einer Blutung oder einer Verletzung herrührt. 

Ist eine Blutung die Ursache, steht die Faktorgabe an erster Stelle, anschließend Schmerzmittel nach Bedarf und Krankengymnastik. Steht der Schmerz nicht in Zusammenhang mit einer Blutung, kann die Faktorgabe entfallen.

Besprechen Sie bereits im Vorfeld mit Ihrem behandelnden Arzt, was Sie beim Auftreten von Schmerzen mit und ohne Blutungsbezug tun sollen und wann er informiert werden möchte!

Die Schmerztherapie besteht aus verschiedenen Säulen, deren Rolle abhängig vom Zustand des betroffenen Gelenks ist.

Schmerzmittel

Als Schmerzmittel ohne entzündungshemmende Wirkung sind Paracetamol und weitere Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten nicht-sauren Analgetika insbesondere dann geeignet, wenn eine Verletzung ohne Entzündung Ursache des Schmerzes ist. Liegt eine akute oder chronische Entzündung vor, beispielsweise bei einer Synovitis, sind sogenannte COX-2-Hemmer empfehlenswert. Diese sind verschreibungspflichtig und beeinflussen neben ihren antientzündlichen Eigenschaften die Blutgerinnung nicht. Bei starken oder chronischen Schmerzen sind auch Opioide für Hämophilie-Patienten geeignet. Aufgrund von Nebenwirkungen und einer Toleranzentwicklung sind Schmerzmittel jedoch nur als punktuelle Unterstützung, nicht als Dauerlösung zu betrachten.


Krankengymnastik

Physiotherapie ist ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den Schmerz. Vermeiden Sie eine sogenannte „Schonhaltung“, damit keine Folgeschäden auftreten und Sie in Ihrer Lebensqualität nicht beeinträchtigt werden. Empfehlenswert sind beispielsweise Krafttraining, Balance- und Gangtraining oder Wassertraining. Informieren Sie sich bereits im Vorfeld über geeignete Übungen.


Operative Eingriffe

Manchmal hilft nur noch eine Operation dabei, Schmerzen zu beseitigen. Zum Beispiel kann bei einer chronischen Entzündung die Gelenksinnenhaut entfernt werden. Bei weiterführenden Gelenkbeschwerden kann auch das Gelenk ganz ausgetauscht werden, um die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen.


Psychologische Unterstützung

Wenn Sie stark unter dem Auftreten von Schmerzen leiden kann dies auch die mentale Gesundheit beeinträchtigen, die wiederum maßgeblich das Schmerzempfinden beeinflusst. Einige Schmerzpatienten geraten dadurch in einen Teufelskreislauf. Suchen Sie sich daher rechtzeitig psychologische Hilfe, wenn Sie merken, dass es Ihnen nicht gut geht.


Tipps für die Injektion bei Kindern

Auch die Injektion bei der Gabe von Faktorpräparaten kann mit Schmerz verbunden sein. Insbesondere bei Kindern ist es wichtig, diesen Schmerz so gering wie möglich zu halten oder vollständig zu vermeiden, um Akzeptanz für die Therapie zu schaffen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Gabe von bispezfischen Antikörpern dar. Hier muss subkutan injiziert werden. Die Injektionslösung wird langsamer im Körper verteilt als bei einer Gabe direkt in die Vene. Auch das kann mit Schmerzen verbunden sein.

Eltern betroffener Kinder haben eine Reihe von Tipps und Tricks entwickelt, um die Medikamentengabe möglichst angenehm zu gestalten:

  • Nutzen Sie Cremes oder Salben mit lokal betäubender Wirkung wie beispielsweise EMLA.
  • Erwärmen die die Injektionslösung mit den Händen auf Raumtemperatur.
  • Beruhigen Sie sich und Ihr Kind mit Atemtechniken.
  • Lenken Sie Ihr Kind während der Injektion so ab, dass es dabei dennoch ruhig sitzen oder liegen bleibt, beispielsweise mit der Lieblingsserie oder einem Lied.
  • Wählen Sie einen flachen Winkel bei intravenöser und einen 45° Winkel bei subcutaner Applikation.
  • Lassen Sie sich Zeit. Eine langsam Infusion oder Injektion ist weniger schmerzhaft.
  • Kühlen Sie die betroffene Stelle nach Entfernen der Nadel
  • Belohnen Sie Ihr Kind im Anschluss für seine Tapferkeit, aber vermeiden Sie eine Dramatisierung.

Mehr Informationen?

Bei Fragen rund um die Schmerztherapie bei Hämophilie stehen wir Ihnen gerne per Chat, per E-Mail oder Telefon zur Verfügung.


Quellenangaben

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerin Laura Wontke

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