Begleitung in der Schwangerschaft

Liegt Hämophilie bei Ihnen in der Familie oder leiden Sie selbst an einer Blutgerinnungsstörung, sollten Sie sich während der Schwangerschaft nicht nur frauenärztlich, sondern auch durch ein Hämophilie-Zentrum begleiten lassen. Auch wenn Sie nicht wissen, ob Sie Konduktorin (eine Blutgerinnungsstörung also übertragen können, ohne eventuell selbst erkrankt zu sein) sind, kann ein erstes Beratungsgespräch für mehr Klarheit sorgen. Optimalerweise arbeiten Ihr Frauenarzt und das Hämophilie-Zentrum in der Begleitung Ihrer Schwangerschaft eng miteinander zusammen. 

Neben den üblichen gynäkologischen Untersuchungen werden bei schwangeren Konduktorinnen oder Blutgerinnungspatientinnen auch die Faktorspiegel engmaschig überwacht. Zu Blutungen kommt es selten, auch weil die Produktion der Gerinnungsfaktoren während der Schwangerschaft natürlicherweise zunimmt. Auch vor Eingriffen wie etwa einer Fruchtwasseruntersuchung wird der Faktorspiegel gemessen und falls nötig substituiert.


Da die Gabe von Faktorpräparten keinen negativen Einfluss auf den Embryo hat, können Schwangere mit Blutgerinnungsstörungen wie beispielsweise dem Von-Willebrand-Syndrom, Hämophilie A oder Hämophilie B Ihre Substitutionstherapie wie gewohnt fortführen.


Geburt – Wie und Wo?

Geplanter Kaiserschnitt oder Spontangeburt – das macht keinen Unterschied. Lange Zeit war der geplante Kaiserschnitt die bevorzugte Variante, ein potenziell von Hämophilie betroffenes Neugeborenes auf die Welt zu bringen. Eine große Studie aus dem Jahr 2019 untersuchte die Geburt von 1.000 Jungen mit Hämophilie und kam zu dem Schluss: Eine spontane vaginale Geburt und ein geplanter Kaiserschnitt unterscheiden sich nicht in den Risiken für Mutter und Kind. Eingeschlossen wurden Neugeborene mit Hämophilie A und B in moderater bis schwerer Ausprägung.

Zu vermeiden ist jedoch der Einsatz von Zange und Saugglocke, da hierdurch Blutungen ausgelöst werden können.

Optimalerweise findet die Entbindung in einem Krankenhaus mit angeschlossenem Hämophilie-Zentrum statt. Das ist häufig bei großen Unikliniken der Fall. Hier kennen sich Ärzte, Pfleger und Geburtshelfer mit der Erkrankung aus und die Spezialisten für Blutgerinnungsstörungen können spontan hinzugezogen werden. Kleinere Kliniken lehnen Frauen mit einer entsprechenden Familiengeschichte aus Angst vor Komplikationen und mangelnder Erfahrung häufig ab.

Von einer Hausgeburt raten wir dringend ab!

Der Wochenfluss fällt bei Frauen mit einer Blutgerinnungsstörung, aber auch bei Konduktorinnen, mitunter stärker aus. Mit Hilfe von gerinnungshemmenden Medikamenten kann dieser auf ein normales Maß gebracht werden.

Diagnostik bei Neugeborenen

Die Diagnose Hämophilie kann prinzipiell im Anschluss an die Geburt gestellt werden. Hierfür wird häufig Blut aus der Nagelschnur benutzt. Die Diagnostik ruht auf zwei Säulen: Der Aktivitätsbestimmung des Gerinnungsfaktors und der genetischen Untersuchung. Ein an die Geburtsklinik angeschlossenes Hämophilie-Zentrum ist auch hier von Vorteil, da die Blutproben nach der Entnahme rasch verarbeitet werden müssen.

Manchmal wird die Bestimmung der Faktoraktivität durch die Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen zu ungenau und muss ein paar Tage später wiederholt werden. Vitamin-K wird Neugeborenen zur Blutungsprophylaxe gegeben, da es eine entscheidende Rolle bei der körpereigenen Produktion von Gerinnungsfaktoren in der Leber spielt. Dadurch können auch die Ergebnisse der Untersuchung der Faktoraktivität verfälscht werden.


Quellenangaben

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